Presse, Sechzig und St. Pauli

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Der 23. Spieltag in der 2. Bundesliga. Mein Verein empfängt den FC St. Pauli aus Hamburg. Wobei – „mein Verein“? Was ist hier mein Verein? Durch die ganzen Vorfälle bei Sechzig habe ich schon die letzten Wochen immer wieder festgestellt, dass ich diesen Verein nicht mehr so liebe, wie ich es einmal getan habe. Stattdessen ist meine Liebe zum Hamburger Verein mit dem Totenkopf immer stärker geworden. Ich mag die Stadt Hamburg sehr, das Millerntor ist wundervoll, alle Sankt Paulianer die ich bisher kennenlernen durfte, waren sehr sympathisch, die politische Einstellung des Vereins gefällt mir, und überhaupt ist es einfach das magische St. Pauli!

Deshalb war es schon bei der Anfahrt ins Stadion sehr merkwürdig für mich. Beide Vereine brauchten den Sieg. Und ich habe immer noch die These, dass es für den TSV 1860 das beste wäre, einfach abzusteigen und so den Investor loszuwerden. Mit sehr gemischten Gefühlen setzte ich mich dann auf meinen Platz. Erste Auffälligkeit: Die Nordkurve war endlich mal wieder gefüllt. Es gab schon die Gerüchte von der neuen Fangruppierung, doch sie dann auch wirklich im Stadion zu sehen, war schön. Die letzten Wochen und Monate ohne die im Sommer aufgelösten Gruppen waren schon arg leise und machten die Arena in Fröttmaning noch öder, als sie eh schon ist.
Auf der anderen Seite der gut gefüllte Auswärtsblock, auf den ich mich auch sehr freute.

Zum Spiel an sich will ich eigentlich gar nicht so viel schreiben, bis auf dass es eine starke erste Halbzeit der Löwen war, die letztlich verdient, aber auch dank einigen strittigen Schiedsrichterentscheidungen, positiv für die Gäste ausging. In der zweiten Hälfte verfielen die Sechzger in den selben einfallslosen, unbeweglichen Trott der letzten Jahre von dem man sich erhofft hatte er wäre verschwunden.

Die positiven Hoffnungen in die „Münchner Löwen“, die neue Fangruppe, verflogen schnell. Die Hälfte der Spielzeit mit „Scheiß Sankt Pauli!“-Rufen zu verbringen zeugt nicht von Kreativität und Freundlichkeit. Konzentriert euch doch auf euch selber!
Philipp Heerwagen dann mehrmals als „Arschloch, Wichser, Hurensohn, Hoeneß und Schwul!“ zu beschimpfen macht das alles nicht wirklich besser. Wir sind im 21. Jahrhundert und es ist scheißegal wenn Männer Männer lieben oder Frauen auf Frauen stehen!

Im Vorfeld des Spieles kam es zu einem weiteren Vorfall in der Beziehung zwischen dem TSV 1860 und der Presse. Eine Bild-Reporterin wurde vom Verein ausgeschlossen, Fragen wurden nicht beantwortet und auch sonst war das Verhalten der Pressesprecherin von Sechzig nicht gerade erfreulich. Ich bin auch nicht der größte Fan der Bild Zeitung allerdings gilt die Pressefreiheit zum Glück für jeden.
Der Verein äußert sich dazu wahnsinnig ruhmreich auf der Vereinswebsite wie folgt:

„Der TSV 1860 München ist grundsätzlich an einer professionellen Zusammenarbeit mit den Medien interessiert. Da das aus Sicht des Klubs zuletzt nicht der Fall war
(…) verfolgt der TSV 1860 München derzeit eine restriktive Medienpolitik.
Daran wird Sechzig auch weiterhin festhalten. Dabei schränken wir weder die Pressefreiheit noch die Meinungsfreiheit ein. Zudem ist es nicht unser Ziel, die Journalisten bei ihrer Arbeit zu behindern.
Das Ziel des TSV 1860 München ist ein professioneller, fairer und von gegenseitigem Respekt geprägter Umgang.“

Na, herzlichen Glückwunsch lieber TSV! Das dass lächerlich und nicht zu akzeptieren ist, ist glaube ich allen klar.

Dann kam es während bzw. nach dem Spiel auch noch zu Problemen mit St. Pauli Gremiumsmitgliedern und 1860. Diese jubelten zu stark bei den Toren der Hamburger und wurden aufgefordert, ihre Plätze zu verlassen. Andreas Rettig, St. Pauli-Sportchef bezog dazu klar Stellung. (hier nachlesen) Das gefällt mir!

Alles in allem haben die Löwenfans nicht gerade zu meiner Liebe zu diesem Verein beigetragen, wohingegen die Hamburger Fans die Ablösung, hin zu St. Pauli, mir persönlich leichter gestalten.

Das musste raus.
Jasper

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2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Mike sagt:

    Dieser ständige Hass gegenüber Gegner und gegnerische Fans missfallen mir schon seit Jahren. Einfach mal 90 Minuten die eigene Mannschaft anfeuern, das hätte was. Scheint heutzutage aber wohl nicht mehr möglich zu sein – warum auch immer.

    Ich werde dennoch weiterhin ins Stadion gehen. Vorerst. Weil ich Fußball mag und weil die Spieler, ich selbst, aber auch die vielen netten Fans/Typen aus meinem Umfeld für den ganzen Mist fernab des Platzes nichts können.

    Sollte es in Zukunft anders kommen, würde ich den Verein/die Liebe allerdings nicht wechseln. Dann bin ich wohl eher ganz weg vom Fußball. Vielleicht Richtung Eishockey. Seit meinem Umzug nach Augsburg gehe ich ja immer mal wieder (eigentlich schon immer öfter) zum AEV. Dort habe ich auch bereits viele nette Leute kennengelernt. Macht Spaß. Mal abwarten…

    Gefällt 1 Person

  2. Jasper sagt:

    Jetzt schaffe ich es endlich auch einmal auf deinen Kommentar zu antworten.

    Erstmal, vielen Dank überhaupt das du meinen Eintrag gelesen hast und so schön kommentierst.
    Auch gestern ist mir wieder der ständige Gegenerhass in der Kurve aufgefallen. Stand da mal wieder drin. Da ist deinem Kommentar aber nichts hinzuzufügen. Stimme ich voll zu.

    Mir ist bewusst das die Spieler und die vielen netten Menschen nichts für das ganze Chaos können. Deshalb gehe ich diese Saison auch noch weiter dahin. Wie es im nächsten Jahr aussieht und ob ich meine Dauerkarte verlängere werde ich im Sommer abwägen müssen.

    Ich muss Verein wechseln weil ich den Fußball noch zu sehr liebe. Ich kann nicht plötzlich einfach fern davon bleiben. Das ist allerdings das große Problem beim FC St. Pauli für mich, dass ich nicht immer da hin kann. Da werde ich mich auch noch mit schwer tun.
    Aber erstmal einfach abwarten wie sich alles entwickelt!

    Gefällt 1 Person

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